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8. Mai – Gedenken und Weckruf für Europa

8. Mai 1945: Kurz vor Mitternacht, um 23:00 Uhr, tritt die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft. Diese Kapitulationserklärung wurde einen Tag zuvor, am 7. Mai 1945, unterzeichnet. Der zweite Weltkrieg in Europa ist endlich zu Ende. Seither feiern die Europäerinnen und Europäer diesen Tag als den Tag des Sieges, den Tag der Befreiung vor der Nazi-Herrschaft. Aus protokollarischen Gründen verschob sich die Bekanntmachung der Kapitulation in der damaligen Sowjetunion auf den 9. Mai, weshalb in Russland der Tag der Befreiung an diesem Tag gefeiert wird. Weitere Informationen zur Kapitulation und dem Kriegsende des zweiten Weltkrieges können auf der Webseite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Link) erfahren werden.

Heute, am 8. Mai 2022, feiert Europa diese Kapitulation des Deutschen Reiches. Dieser Tag markiert seither den Tag der Befreiung, das Ende eines grausamen Vernichtungskrieges in Europa. Russland und die Ukraine litten besonders an den Folgen des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Wehrmacht. Millionen Menschen sind in den heutigen beiden Ländern durch das Deutsche Reich getötet worden. Doch anstatt diesen Tag der Befreiung feiern, besser gedenken, zu können, kämpft die Ukraine um die eigene Befreiung.

„Nie wieder“? … Schon wieder …

Es ist grundsätzlich wichtig und richtig, daran zu erinnern und derer zu gedenken, die dem zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. Dieses Jahr ist aber alles anders. Zwei vom zweiten Weltkrieg besonders in Mitleidenschaft gezogene Länder befinden sich selbst miteinander in einem fürchterlichen Krieg. In der Ukraine hat man dieser Tage keine Gedanken dafür übrig, den Tag der Befreiung zu feiern. Die Menschen in der Ukraine kämpfen jeden Tag ums Überleben und hoffen selbst auf einen Tag der Befreiung. Sie leiden schwer unter den Folgen dieses Krieges. Schon wieder tobt mitten in Europa ein Krieg, in dem ein Land ein anderes überfällt. Schon wieder ist es ein Diktator, der seinen mörderischen Imperialismus umsetzen will und dabei schwerstes menschliches Leid billigend in Kauf nimmt. Es wirkt daher irgendwie grotesk, wenn wir von Befreiung Europas sprechen während in der Ukraine Bomben fallen. Es fällt auch mir persönlich schwer, diesen Tag zu „feiern“.

Weckruf für Europa

Trotz dieses Krieges ist der 8. Mai ein wichtiger Tag für Europa. Es wäre der vielen Opfer unwürdig, diesen Tag nicht zu gedenken. Selbst im Schatten des Krieges in der Ukraine muss dieser Tag „gefeiert“ werden. Ich sehe keinen Widerspruch darin, sich parallel dafür stark zu machen, dass der Krieg in der Ukraine ein Ende findet, während wir selbst den so wichtigen europäischen Tag feiern. Umso wichtiger ist, dass wir den Menschen, die diesen Tag als Befreiung sehen, den Raum dazu geben. Es mag verständlicher Weise verstörend wirken, wenn Pro-Putin-Demonstrationen im Land stattfinden und sie die Propaganda des Kremls in die Welt tragen. Wir müssen hier die Fähigkeit besitzen, diese Demos klar abzugrenzen von dem Gedenken des 8. Mai. Wir müssen sie als Pro-Putin-Demos benennen und ihnen entgegenstehen. Wir müssen Putin die unmissverständliche Botschaft senden, dass wir als freies Europa niemals zulassen werden, dass er diesen wichtigen Tag für seine blutige Propaganda nutzen kann. Vielmehr ist der 8. Mai ein Tag der Befreiung des gesamten europäischen Kontinents. Dieser besteht aus vielen Nationen, die im zweiten Weltkrieg unter der Nazi-Herrschaft gelitten haben. Das müssen wir in den Vordergrund stellen.

Der 8. Mai sollte uns auch dazu ermutigen, die Ukraine darin zu unterstützen, sie von dem Würgegriff Russlands zu befreien. Ich erachte es als wichtige gesamteuropäische Aufgabe, die Ukraine und Europa vor Diktatoren, wie Putin, stets zu bewahren. Im Hinblick auf unsere gemeinsame historische Erfahrungen dürfen wir es nicht zulassen, dass sich Autokratien mit Waffengewalt durchsetzen können. Das sind wir der Ukraine und uns allen schuldig.

Quelle Titelbild: https://pxhere.com/de/photo/1253556

Stephan Seidel
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